DOT-Nummer lesen: Was das Reifenalter aussagt — und was nicht
Auf jeder Reifenflanke steht, in welcher Woche welchen Jahres der Reifen gebaut wurde. Vier Ziffern, dreissig Sekunden zum Nachsehen. Was daraus folgt, wird allerdings gerne überzogen — auf beiden Seiten. Hier steht, wie man die Zahl liest und was sie tatsächlich bedeutet.
Die vier Ziffern
Suchen Sie auf der Seitenwand nach DOT, gefolgt von mehreren Zeichenblöcken. Der letzte Block mit vier Ziffern ist das Produktionsdatum:[1]
- Die ersten beiden Ziffern: die Kalenderwoche
- Die letzten beiden: das Jahr
Beispiele:
| DOT-Block | bedeutet |
|---|---|
0816 |
8. Woche 2016, also Ende Februar 2016 |
1024 |
10. Woche 2024, also Anfang März 2024 |
3625 |
36. Woche 2025, also Anfang September 2025 |
Die vollständige DOT-Nummer besteht aus mehreren Blöcken — sie codiert auch Werk und Reifentyp.[1] Für Sie ist nur der letzte relevant.
Zwei Dinge, die überraschen:
Die DOT-Nummer steht oft nur auf einer Seite des Reifens. Finden Sie sie nicht, schauen Sie auf der Innenseite nach — dann müssen Sie sich hinlegen oder das Rad einschlagen.
Ältere Reifen haben drei statt vier Ziffern. Das ist eine Codierung aus der Zeit vor 2000, und ein solcher Reifen gehört unabhängig vom Profil nicht mehr ans Auto.
Was die Zahl bedeutet — und was nicht
Hier wird es interessant, weil beide Extreme falsch sind.
„Ein Reifen hält sechs Jahre, dann muss er runter"
So steht es in keinem Schweizer Gesetz. Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze für Reifen an Personenwagen. Was das Gesetz vorschreibt, ist der Zustand: mindestens 1,6 Millimeter Profil auf der ganzen Lauffläche (Art. 58 Abs. 4 VTS), und ein betriebssicheres Fahrzeug (Art. 29 SVG).[2]
„Alter spielt keine Rolle, solange Profil da ist"
Auch falsch. Gummi altert, und zwar auch ungefahren. UV-Licht, Ozon und Wärme lassen die Mischung über die Jahre härter und spröder werden — man sieht es an feinen Rissen im Profilgrund und an den Seitenwänden.
Der ADAC hat ungenutzte Neureifen untersucht und festgestellt, dass sich die technischen Eigenschaften über die Jahre negativ verändern können; empfohlen wird, dass Neureifen beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein sollten.[3]
Die brauchbare Mitte
Die Zahl ist kein Verfallsdatum, sondern ein Hinweis, ab wann man genauer hinsehen sollte:
- Bis etwa 6 Jahre: Alter ist normalerweise kein Thema. Es zählt das Profil.
- 6 bis 10 Jahre: Beim Radwechsel die Seitenwände und den Profilgrund ansehen. Feine Risse sind ein Zeichen. Bei einem Reifen, der viel draussen stand, kommen sie früher.
- Über 10 Jahre: Ehrlich sein, unabhängig vom Profil. Ein Reifen mit 7 Millimetern und zwölf Jahren ist kein guter Reifen, sondern ein alter Reifen, der wenig gefahren wurde.
Das ist eine Faustregel und keine Vorschrift. Ein Reifen, der zehn Jahre im dunklen Keller lag, ist in besserem Zustand als einer, der fünf Jahre an einer Südwand stand.
Wofür das Alter wirklich zählt
Es gibt Situationen, in denen die DOT-Nummer der entscheidende Wert ist:
Beim Gebrauchtwagenkauf. Vier Reifen mit gutem Profil und DOT 1214 sagen Ihnen zweierlei: Der Vorbesitzer hat vor zwölf Jahren zuletzt Reifen gekauft, und das Auto ist wenig gefahren worden. Beides ist wichtiger als das Profil selbst.
Beim Wohnwagen und Wohnmobil. Diese Fahrzeuge stehen mehr, als sie fahren. Dort ist das Alter fast immer das Kriterium, nicht der Verschleiss — und die Reifen tragen dabei über Monate volle Last an derselben Stelle.
Beim Ersatzrad. Das Notrad liegt seit dem Neuwagen im Kofferraum. Wenn Sie es brauchen, brauchen Sie es dringend.
Beim Neukauf. Fabrikneu heisst nicht frisch produziert. Ein Reifen, der zwei Jahre im Lager stand, ist neu, aber nicht taufrisch.
Was wir dazu zusagen — und was nicht
Wir handeln ausschliesslich mit fabrikneuer Ware — keine gebrauchten, keine runderneuerten Reifen.
Was wir nicht zusagen, ist ein bestimmtes Produktionsdatum. Wir bestellen aus Lieferantenlagern, und welche Charge ein Lieferant kommissioniert, entscheiden wir nicht. Ein Versprechen wie „maximal sechs Monate alt" könnten wir nicht einhalten, also machen wir es nicht.
Das ist die unbequemere, aber ehrlichere Antwort. Wenn Sie ein bestimmtes Höchstalter brauchen — etwa fürs Wohnmobil —, fragen Sie vor der Bestellung. Dann klären wir es mit dem Lieferanten ab, bevor Sie bestellen, statt Ihnen hinterher etwas zu erklären.
Wie Sie einen alternden Reifen erkennen
Die Zahl ist der eine Hinweis, das Auge der andere. Worauf achten:
Feine Risse im Profilgrund. Ziehen Sie eine Profilrille auseinander und schauen Sie hinein. Ein Netz feiner Linien ist Alterung.
Risse an der Seitenwand, besonders im Bereich der stärksten Verformung nahe der Felge.
Die Haptik. Ein frischer Reifen fühlt sich an der Lauffläche leicht nachgiebig an, ein stark gealterter hart wie Kunststoff. Der Vergleich funktioniert nur, wenn Sie beide nebeneinander haben — beim Radwechsel in der Werkstatt ist die Gelegenheit da.
Verhärtete Stellen mit Standplatten, wenn der Reifen lange unbewegt stand.
Die drei Sätze zum Mitnehmen
-
Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer: Woche und Jahr.
1024heisst 10. Woche 2024. - Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze, aber ab etwa sechs Jahren gehört ein Blick auf Profilgrund und Seitenwand dazu, und über zehn Jahre wird es unabhängig vom Profil fragwürdig.
- Beim Neukauf gilt der ADAC-Rat: nicht älter als zwei Jahre. Wenn Ihnen das wichtig ist, fragen Sie vor der Bestellung — nicht danach.
Zum Weiterlesen: Reifen richtig einlagern · Reifengrösse verstehen · Häufige Fragen
Quellen und Stand
Stand 4. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
- ADAC, „Reifenkennzeichnung: Von DOT bis Speedindex, das bedeuten die Angaben" — <https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenkennzeichnung/> (vollständige DOT-Nummer aus mehreren Blöcken; die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und -jahr; Beispiel
0816= 8. Woche 2016) - Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge VTS, SR 741.41, Art. 58 Abs. 4; Strassenverkehrsgesetz SVG, SR 741.01, Art. 29
- ADAC, „Wie alt darf ein Neureifen sein? Tipps zum Reifenkauf" — <https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenalter/> (Untersuchungen an ungenutzten Neureifen; Empfehlung, dass Neureifen nicht älter als zwei Jahre sein sollten)
Ungeprüft: Die Altersstufen „bis 6 / 6 bis 10 / über 10 Jahre" sind eine Faustregel aus der Fachpraxis, keine Norm und keine Messung von uns. Ebenso die Hinweise zur Erkennung von Alterungsrissen. Wo eine Zahl belegt ist — die zwei Jahre beim Neukauf, die 1,6 Millimeter — steht die Quelle dabei.
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