Reifen einlagern: die vier Fehler, die Geld kosten
Ein Satz Reifen liegt jedes Jahr sechs Monate herum. Was in dieser Zeit passiert, entscheidet mit darüber, wie lange er hält — und die häufigsten Fehler kosten nichts als Aufmerksamkeit. Vier davon sehen wir immer wieder.
Fehler 1: Der falsche Ort
Reifen mögen dunkel, kühl und trocken. Der ADAC empfiehlt einen dunklen, kühlen, trockenen Raum — Keller oder Garage.[1]
Was Gummi altern lässt, ist nicht die Zeit allein, sondern UV-Licht, Ozon und Wärme. Alle drei beschleunigen die Reaktionen, die die Mischung hart und spröde machen.
Deshalb sind diese Orte schlecht:
- Draussen an der Hauswand. Sonne, Regen, Frost — die schlechteste aller Varianten, auch unter einer Plane.
- Neben der Heizung oder dem Boiler. Wärme altert.
- Neben einem laufenden Elektromotor. Motoren erzeugen Ozon. Eine alte Tiefkühltruhe oder ein Kompressor im selben Raum ist ein realer Faktor, kein Mythos.
- Feuchte Kellerräume. Nicht wegen des Gummis, sondern wegen der Felgen: Stahlfelgen rosten, Alufelgen bekommen Korrosionsflecken am Ventilsitz.
Ein normaler, trockener Kellerraum oder eine Tiefgarage ist ideal. Wenn Sie nichts davon haben, ist die Einlagerung beim Händler kein Luxus, sondern die günstigere Lösung — ein vorzeitig ersetzter Satz kostet mehr als sechs Jahre Lagermiete.
Fehler 2: Die falsche Position
Hier entscheidet, ob der Reifen auf der Felge sitzt oder nicht:[1]
Komplette Räder (Reifen auf Felge): liegend stapeln oder an der Wand aufhängen. Der Luftdruck stützt die Struktur, das Gewicht darf auf der Seitenwand ruhen.
Reifen ohne Felge: aufrecht stehen lassen, nicht stapeln. Und alle paar Wochen ein Stück weiterdrehen, damit nicht dieselbe Stelle monatelang das ganze Gewicht trägt.
Der Grund ist einfach: Ohne Felge hat der Reifen keine Formstabilität. Liegend gestapelt verformt sich der unterste, aufrecht ohne Drehen bekommt er an einer Stelle einen Standplatten, den man beim ersten Fahren spürt.
Der häufigste Fehler in dieser Kategorie: Reifen ohne Felge zu viert übereinander stapeln, weil es Platz spart. Sechs Monate später ist der unterste unrund.
Fehler 3: Zu wenig Luft
Das ist der Punkt, an den fast niemand denkt.
Erhöhen Sie den Luftdruck vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellerangabe.[1] Reifen verlieren im Lager langsam Luft — über die Ventile und durch die Gummiwand selbst. Nach sechs Monaten sind aus 2,2 bar schnell 1,8 geworden, und ein Rad, das ein halbes Jahr mit zu wenig Druck auf der Seitenwand liegt, wird an dieser Stelle stärker belastet.
Der Nebeneffekt ist bequem: Beim nächsten Wechsel haben Sie noch genug Druck, um zur Tankstelle zu fahren und dort sauber einzustellen — statt mit 1,6 bar loszurollen.
Fehler 4: Nicht hinschauen
Der Radwechsel ist der einzige Moment im Jahr, in dem jemand jeden Reifen einzeln in der Hand hat. Diese Gelegenheit sollte man nutzen.
Vor dem Einlagern durchgehen:[1]
- Profiltiefe messen, an mehreren Stellen über die Breite. Ungleichmässiger Verschleiss aussen oder innen deutet auf die Spureinstellung hin — das gehört in die Werkstatt, bevor der nächste Satz auf dieselbe Art verschlissen wird.
- Fremdkörper aus dem Profil holen. Ein Steinchen ist harmlos, eine Schraube nicht. Sechs Monate Zeit, um sie langsam durchwandern zu lassen, sind sechs Monate zu viel.
- Seitenwände ansehen. Risse, Beulen, Scheuerstellen vom Randstein. Eine Beule ist ein Grund, den Reifen nicht wieder zu montieren — dort hat sich die Karkasse gelöst.
- DOT-Nummer lesen. Wie alt ist der Satz eigentlich? Dazu haben wir einen eigenen Beitrag.
- Die Position notieren — VR für vorne rechts, HL für hinten links und so fort.[1] Mit Kreide auf die Lauffläche oder einem Aufkleber auf der Seitenwand.
Warum die Position? Weil Reifen unterschiedlich verschleissen. An der Antriebsachse geht mehr weg, aussen und innen ungleich. Wer beim nächsten Aufziehen weiss, wo jeder Reifen war, kann bewusst tauschen — und hat vier Reifen, die gleichzeitig das Ende erreichen, statt zwei, die noch gut sind, und zwei, die runter müssen.
Wann Sie einen Satz gar nicht mehr einlagern sollten
Manchmal ist die richtige Antwort, den Satz nicht einzulagern, sondern zu ersetzen. Drei Fälle:
Die Profiltiefe reicht nicht für die nächste Saison. Ein Winterreifen mit 4,5 Millimetern im April ist im nächsten November bei vielleicht 4 — und dort empfiehlt der TCS bereits den Ersatz.[2] Sechs Monate Lagerplatz für einen Reifen, der danach runter muss, sind verschwendet.
Der Satz ist alt. Gummi altert auch ungefahren. Ab etwa acht bis zehn Jahren sollte man ehrlich hinsehen, unabhängig vom Profil — die Mischung ist dann eine andere als am ersten Tag.
Es sind zwei verschiedene Modelle. Gemischte Sätze kommen häufiger vor, als man denkt. Wenn Sie beim Einlagern feststellen, dass vorne und hinten unterschiedliche Reifen sitzen, ist der Zeitpunkt gut, das zu bereinigen.
Selbst einlagern oder einlagern lassen?
Eine ehrliche Rechnung statt einer Verkaufsempfehlung.
Selbst einlagern kostet: Platz, ein paar Minuten Arbeit, und die Disziplin, die Reifen alle paar Wochen zu drehen, wenn sie ohne Felge lagern. Dafür ist es gratis.
Einlagern lassen kostet in der Regel zwischen 60 und 120 Franken je Saison. Dafür bekommen Sie einen geeigneten Raum, jemanden, der die Reifen beim Wechsel prüft — und Sie müssen keine acht Räder durchs Treppenhaus tragen.
Wenn Sie einen trockenen Keller haben, lagern Sie selbst ein. Wenn Ihre einzige Option der Balkon oder die Hauswand ist, lohnt sich der Service — dort ruinieren Sie in zwei Saisons mehr, als die Einlagerung in sechs kostet.
Die vier Sätze zum Mitnehmen
- Dunkel, kühl, trocken — und weg von Motoren und Heizungen.
- Mit Felge liegend oder hängend, ohne Felge stehend und regelmässig drehen.
- 0,5 bar mehr Druck vor dem Einlagern.
- Beim Wechsel hinschauen: Profil, Fremdkörper, Seitenwand, Alter, Position notieren.
Zum Weiterlesen: DOT-Nummer und Reifenalter · Wann wechseln? · Montage & Termine
Quellen und Stand
Stand 4. August 2026.
- ADAC, „Reifen richtig lagern: Tipps und Infos" — <https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/reifen-lagern/> (Lagerort dunkel/kühl/trocken; komplette Räder stapeln oder hängen, Reifen ohne Felge aufrecht und regelmässig drehen; Luftdruck vor dem Einlagern um 0,5 bar erhöhen; vor dem Abnehmen Position notieren und auf Schäden und Fremdkörper prüfen)
- TCS, Ratgeber „Winterreifen 2025", S. 14 — Ersatzempfehlung Winterreifen unter 4 mm, Sommerreifen unter 3 mm — <https://www.tcs.ch/mam/Digital-Media/PDF/Booklets/ratgeber-winterreifen-2025.pdf>
Ungeprüft: Die Angaben zu Ozon aus Elektromotoren, zur Alterung ab acht bis zehn Jahren und die genannten Preisspannen für die Einlagerung sind Erfahrungswerte aus dem Handel und der Fachliteratur, keine Messungen von uns. Wo eine Zahl belegt ist — die 0,5 bar, die 4 und 3 Millimeter — steht die Quelle dabei.
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