Recht & Reise

Ganzjahresreifen und das Gesetz: Wo sie als Winterreifen zählen — und wo nicht

5'148 Ganzjahresreifen führen wir — jeder fünfte Reifen im Sortiment. Die häufigste Frage dazu ist keine technische, sondern eine rechtliche: Darf ich damit im Winter fahren, hier und im Ausland? Die Antwort hängt an einem einzigen Zeichen auf der Flanke, und nicht am Wort „Ganzjahr".

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Ganzjahresreifen und das Gesetz: Wo sie als Winterreifen zählen — und wo nicht

Die kurze Antwort

Das Gesetz kennt keinen „Ganzjahresreifen". Kein europäisches Regelwerk arbeitet mit dieser Kategorie. Was zählt, ist die Kennzeichnung:

  • Trägt der Reifen das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, offiziell 3PMSF), gilt er überall dort als Winterreifen, wo Winterreifen verlangt sind.
  • Trägt er nur M+S, gilt er noch in einigen Ländern — in anderen seit 2024 nicht mehr.
  • Trägt er keines von beidem, ist er im Winter schlicht ein Sommerreifen mit anderem Profil.

„Ganzjahr" ist eine Bezeichnung der Hersteller für einen Auslegungskompromiss. Sie steht in keinem Gesetz und in keiner Kontrolle.


Warum das Alpine-Symbol den Unterschied macht

M+S heisst „Mud and Snow" und ist eine Angabe des Herstellers. Kein Labor prüft sie nach. Der TCS: „M+S sagt also nichts über die Wintertauglichkeit des Reifens aus."[3]

Das Alpine-Symbol steht für eine bestandene Prüfung nach UNECE-Regelung Nr. 117: Der Reifen muss auf Schnee eine Mindestbremsleistung erreichen. Der TCS: „Nur ein Reifen mit dem Schneeflockensymbol ist ein echter Winterreifen."[3]

Die meisten aktuellen Ganzjahresreifen namhafter Hersteller tragen das Alpine-Symbol. Aber eben nicht alle — und im Zweifel entscheidet die Flanke, nicht der Produktname.

So prüfen Sie es: Suchen Sie auf der Seitenwand nach einem kleinen Berg mit drei Zacken und einer Schneeflocke darin. Steht dort nur „M+S" oder „M&S" ohne Berg, fehlt die Prüfung.


Wo Ganzjahresreifen im Winter genügen

Mit Alpine-Symbol: in ganz Europa, überall dort, wo Winterreifen vorgeschrieben sind. Das ist die einfache Regel, und sie stimmt.

Ohne Alpine-Symbol, nur mit M+S:

Land zählt M+S noch?
Österreich ja — M+S, M.S, M&S und Alpine sind alle zulässig[1][2]
Italien ja — M+S wird akzeptiert[4]
Tschechien, Slowakei ja — Winter- oder Ganzjahresreifen[2]
Slowenien ja — Winter- oder Ganzjahresreifen[2]
Luxemburg, Rumänien ja — M+S oder Alpine[2]
Deutschland nein, seit 1. Oktober 2024[5]
Frankreich nein, seit 1. November 2024[6]
Schweden nein, seit 1. Dezember 2024
Lettland nein, seit 1. Oktober 2024
Estland nein, seit 1. Dezember 2022

Frankreich nennt Ganzjahresreifen sogar ausdrücklich als eine der zulässigen Ausrüstungen — sofern sie 3PMSF tragen.[6]

Die Falle liegt auf der Fahrt, nicht am Ziel. Ein M+S-Ganzjahresreifen ist in Österreich einwandfrei. Wer im Januar von Zürich nach Tirol fährt, kommt aber je nach Route durch Deutschland — und dort genügt er seit Oktober 2024 nicht mehr.


Und in der Schweiz?

In der Schweiz gibt es keine Winterreifenpflicht. Der TCS: „In der Schweiz besteht keine gesetzliche Pflicht, das Auto im Winter mit Winterreifen auszurüsten."[7]

Damit ist die Frage aber nicht erledigt, sondern verschoben. Zwei allgemeine Pflichten greifen:

  • Art. 29 SVG: „Fahrzeuge dürfen nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand verkehren."[8]
  • Art. 31 Abs. 1 SVG: „Der Führer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann."[8]

Der TCS zieht daraus: „Bei Winterverhältnissen mit Sommerreifen zu fahren, egal ob mit dem Auto, dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen, gilt nicht als betriebssicher und ist daher strafbar."[9]

Ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol ist kein Sommerreifen. Ob er im konkreten Fall „betriebssicher" ist, hängt von der Strecke ab — auf einer verschneiten Passstrasse stösst er früher an seine Grenzen als ein Winterreifen. Wir geben dazu keine Rechtsauskunft; im Zweifel fragen Sie Ihre Versicherung.

Und unabhängig von der Ausrüstung gilt: Wo das Signal „Schneeketten obligatorisch" (2.48) steht, helfen weder Winter- noch Ganzjahresreifen. Dann müssen die Ketten drauf; ein Verstoss kostet 100 Franken.[10]


Der technische Teil: Was Sie einhandeln
Drei Continental-Reifen derselben Marke. Der Unterschied steckt in den Lamellen — Produktbilder aus dem eigenen Katalog.

Der technische Teil: Was Sie einhandeln

Die Rechtslage ist das eine, die Physik das andere. Ein Ganzjahresreifen ist ein sichtbarer Kompromiss — man sieht ihn im Profil: Lamellen wie beim Winterreifen, aber gröber; eine Mittelrippe wie beim Sommerreifen.

Die Gummimischung kann nicht beides. Eine Wintermischung bleibt bei Kälte geschmeidig und wird bei Hitze weich; eine Sommermischung ist umgekehrt. Der Ganzjahresreifen liegt dazwischen und ist damit an beiden Enden schlechter als der jeweilige Spezialist.

Die Grössenordnung, gemessen vom TCS auf nasser Fahrbahn bei 7 °C Asphalttemperatur, Bremsung aus 80 km/h, Testdimension 205/55 R16:[11]

Bremsweg
bester Winterreifen 35,5 m
bester Ganzjahresreifen 33 m
bester Sommerreifen 41 m

Bemerkenswert: Unter genau diesen Bedingungen war der Ganzjahresreifen der beste der drei. Das ist sein Wetter — kühl und nass.

Auf Schnee sieht es anders aus. Dort misst der TCS zwischen dem besten Sommer- und dem besten Winterreifen 27 Meter Unterschied bei einer Bremsung aus 50 km/h bei minus 3 °C — „etwa acht Autolängen".[12] Der Ganzjahresreifen liegt dazwischen, näher beim Winterreifen, aber nicht auf dessen Niveau.

Bitte lesen Sie diese Zahlen als das, was sie sind: Messwerte des TCS aus einem bestimmten Test, in einer Dimension, unter genannten Bedingungen. Es sind nicht unsere Messungen — wir betreiben keinen Prüfstand — und sie gelten nicht für jedes Modell.


Für wen sich Ganzjahresreifen rechnen

Wir verkaufen alle drei Saisons und haben kein Interesse, eine davon schlechtzureden. Aus den Zahlen und der Rechtslage ergibt sich trotzdem ein ziemlich klares Bild.

Ganzjahresreifen passen gut, wenn:

  • Sie im Flachland wohnen und fahren, wo Schnee ein paar Tage im Jahr liegt;
  • Sie wenig fahren — unter etwa 10'000 Kilometern im Jahr amortisieren sich zwei Sätze plus Einlagerung schlecht;
  • Sie keinen Platz für einen zweiten Satz haben;
  • Sie im Winter nicht regelmässig in die Berge fahren.

Ganzjahresreifen passen schlecht, wenn:

  • Sie über einen Pass zur Arbeit fahren oder oft in Schneegebiete;
  • Sie viel Autobahn fahren — dort verschleisst die weichere Mischung im Sommer schneller;
  • Ihr Auto viel Leistung hat und schwer ist.

Und noch etwas, das in der Rechnung oft fehlt: Zwei Sätze halten zusammen länger als einer. Wer Sommer- und Winterreifen wechselt, fährt jeden Satz nur ein halbes Jahr — in Kilometern gerechnet ist der Aufpreis kleiner, als der doppelte Kaufpreis vermuten lässt. Dazu kommen Wechsel- und Einlagerungskosten, die den Vorteil wieder auffressen können. Rechnen muss das jede und jeder selbst; die Zahlen unterscheiden sich stark.


Was in unserem Sortiment steht

Aktuell sind 5'164 von 26'834 aktiven Reifen als Ganzjahresreifen geführt — rund 19 Prozent. In 205/55 R16 stehen 126 Ganzjahresvarianten zur Auswahl.

Für die Einordnung im Schweizer Shop ist das Alpine-Symbol entscheidend: Eine M+S-Kennzeichnung allein wird nicht als gleichwertiger Nachweis der Schneeeignung behandelt. Prüfen Sie beim konkreten Artikel zusätzlich Dimension, Last- und Geschwindigkeitsindex.


Zum Weiterlesen: Winterreifenpflicht in Europa · Das EU-Reifenlabel · Ganzjahresreifen im Sortiment


Quellen und Stand

Katalogdaten: eigener aktiver Reifenbestand, ausgelesen am 19. August 2026 über die Shopify-Admin-API. Grundgesamtheit: 26'834 Reifen in 309 Grössen. Preise verstehen sich je Reifen inklusive Mehrwertsteuer.

Rechtsgrundlagen und Reisehinweise: aktuelle TCS- und ADAC-Länderinformationen; vor Auslandsfahrten gelten die amtlichen Regeln der konkreten Route.

Der Katalog verändert sich laufend. Bestände und Preise auf der jeweiligen Produktseite sind deshalb für die Bestellung massgebend.

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